Morbus Kienböck (Lunatummalazie)

Der Morbus Kienböck ist auch unter den Bezeichnungen Lunatumnekrose, Kienböckkrankheit, Mondbeintod und Mondbeinnekrose bekannt. Das Mondbein, welches hier erkrankt, ist einer der zahlreichen Handwurzelknochen. Die Lunatummalazie (Erweichung des Mondbeines) ist aktuell als Berufskrankheit verschiedener handwerklicher Berufe anerkannt. Sie tritt als Folge von Tätigkeiten auf, in denen häufig mit Geräten gearbeitet wird, die das Handgelenk in dauernde Vibrationen versetzen, wie zum Beispiel Schleifgeräte, Bohrmaschinen, Rüttler oder ähnliches. Da die Krankheit sehr selten auftritt wird sie in vielen Fällen zu spät diagnostiziert. Männer sind häufiger von der Lunatummalazie betroffen als Frauen.

Die Krankheit hat einen schleichenden Verlauf. Erste Symptome sind Druckschmerzen im Handgelenk, welche mit einer leichten bis starken Schwellung bei Belastung einhergehen. Die Finger können auch Schwellungen aufweisen und im Bereich der Finger und der Handfläche können Schmerzen auftreten. Die Zersetzung des Mondbeins ist meist auf eine Durchblutungsstörung zurückzuführen. Diese wiederum kann auf eine Fehlbildung bzw. –stellung der Elle zurückzuführen sein. Aber auch ein Fehler der Blutgefäßversorgung im Bereich des Mondbeins oder eine Traumafolge auf Grund eines Unfalles kann ursächlich sein.

Die Lunatummalazie wird auch als aseptische Nekrose des Mondbeines bezeichnet. Sie kann im weiteren Verlauf zu einer zunehmenden Knochenerweichung und zu einer Arthrose des Handgelenks führen. Der Knochen hat nicht mehr die benötigte Dichte, er wird weich, porös und kann unter Umständen sogar splittern.

Die Krankheit wird in 5 Stadien eingeteilt. Jedes Stadium hat eine andere Heilungsmöglichkeit und erfordert andere Behandlungsmethoden. Eine Einteilung wird nach den erkennbaren Veränderungen des Nativröntgenbildes sowie des Magnetresonanztomogramms vor und nach der Gabe von Kontrastmittel getroffen.

Eine vollständige Heilung der Krankheit ist nicht möglich. Aber es gibt gute Möglichkeiten, die Schmerzen zu behandeln. Dann ist eine fast normale Belastung wieder möglich. Ist die Lunatummalazie noch im Anfangsstadium, so kann unter Umständen eine Gipsschiene oder ein Stützverband das Mondbein vor dem weiteren Verfall schützen. Bei einer Operation wird möglicherweise die Speiche des Patienten gekürzt, so dass die Proportionen von Elle und Speiche wieder ausgeglichen sind. Hierbei wird ein Stück der Speiche entfernt und das vordere Stück mit Hilfe einer Metallplatte oder eines dünnen Metallstabes und Schrauben wieder befestigt. Diese Methode der Operation wird häufig angewendet, wenn die Elle kürzer als die Speiche ist (Minusvariante der Elle). Es kommen noch andere Operationsmöglichkeiten in Betracht, je nach Ursache und Stadium der Krankheit. Als letzte Rettung vor den schier unerträglichen Schmerzen kann, wenn andere Behandlungsmöglichkeiten keinen Erfolg brachten, eine Stilllegung oder Versteifung des Handgelenkes durchgeführt werden. Dabei werden die Nerven der Hand durchtrennt und die Sehnen gekappt. Der Schmerz verschwindet vollständig. Das Handgelenk wird vollständig versteift, nur die Finger können noch bewegt werden. Der Lebensalltag wird durch das versteifte Handgelenk sehr beschwerlich, aber die Patienten haben die große Erleichterung einer vollkommenen Schmerzfreiheit.